Ein Haus, vier Ansichten

Das vorgestellte Gebäude ist ein dreigeschossiges Wohnhaus dessen Hülle aus vorgegrauten, horizontal angeordneten Weißtannenprofilen besteht. Sie bedecken nicht nur die Gebäudelängsseiten, sondern ziehen sich auch über die gesamte Satteldachfläche und verbergen den darunter liegenden Dachaufbau. So bekommt der Baukörper einen klar definierten, monolithischen Charakter. Auf auskragende Teile wie Simse oder Bleche wurde gezielt verzichtet, um den Alterungsprozess möglichst gleichmässig zu gestalten. Während die Giebelfassade im Westen zur Aussicht ins Tal vollflächig verglast ist und zugunsten einer schmalen Balkonzone zurückspringt, zeigt die Gebäudeseite am Fuße des Burgbergs Hohen Neuffen eine im exakten Fugenbild verlegte HPL-Verkleidung in strahlendem Weiß. Fensteröffnungen in unterschiedlichen Größen und Formaten sind spannungsvoll auf der Fläche verteilt. Auf der Nordseite ist der Hauseingang als großes weißes Tor gesetzt, gegenüber in Richtung Süden wendet sich ein quadratisches Fenster mit dunkler Rahmung der Terrasse, und dem Garten zu. Die flächenbündig ins Dach eingelassene Photovoltaik-Anlage wirkt als geometrisches Pendant dazu.

 

Veredelter Rohbau“ in Holz und Ortbeton

Das Gebäude ist als Holz-Hybridbau konstruiert. Das Erdgeschoss auf Straßenniveau wurde aus WU-Beton hergestellt und verschwindet im Hang. Im Innern zeigen die Wände ungeschminkt ihre Betonoberfläche. Bewusst nicht in Sichtbetonqualität ausgeführt, erzeugen sie mit ihren rauen Kanten und ihrer Unregelmäßigkeit eine besondere Lebendigkeit. Der schwarzbraune von hellen Einschlüssen durchzogene Terrazzoboden – der sich durch alle Räume des Hauses inkl. der Duschen zieht – und die Holztüren und Fensterrahmen in warmem Naturton geben den Räumen die charmante Anmutung eines ästhetisch veredelten Rohbaus. Die Treppen verlaufen entlang der Gebäude-Längsachse. Betonfertigstufen führen hinauf in die Haupt-Eingangszone. Hier setzt die Gebäudekonstruktion in Holzrahmenbauweise auf. Die Innenwände bestehen aus massiven Brettsperrholzelementen mit endfertiger Sichtoberfläche aus Kiefer, die präzise vorgefertigt wurden. Vereinzelt ergänzen filigran dimensionierte Stahlstützen sowie Unterzüge die Statik. Die Zwischendecken bestehen ebenfalls aus Brettschichtholzelementen. Die Holzoberflächen wurden lediglich mit einem UV-Schutz eingelassen um die natürliche Holzfarbe in den Innenräumen zu erhalten. Als Dämmung wurde Zellulose in den Zwischenräumen der Holzständerkonstruktion und Holzweichfaserplatten als äußere Beplankung verwendet. So kamen fast nur Nachwachsende Rohstoffe zum Einsatz. Lediglich an erdberührten Stellen im UG wurde EPS eingesetzt. Das Energiekonzept basiert auf einer Sole-Wärmepumpe mit Warmwasserspeicher. Die PV-Anlage liefert die nötige elektrische Energie. Ein Energiespeicher soll nach einer Analysephase nachgerüstet werden. Damit könnte das Haus autark betrieben werden.

 

Fotografie: Jürgen Pollak

Inneneinrichtung in Kooperation mit Behr Einrichtung